Mehr small-Talk bitte!

Warum wir im Home-office mehr quatschen müssen – auch über banale Dinge

Dieses Arbeiten im Homeoffice hat natürlich seine guten Seiten: keine langen Fahrtwege, kann mir die Zeit frei einteilen, bin bei meiner Familie, manche sind froh, wenn dass Sie die Vorgesetzen nicht ständig vor sich haben…
Doch es gibt auch Fallen in dem Remote-Leben, auf Dauer überwiegen meinr Meinung nach die Nachteile. Ein großes Manko: Das Büro-Miteinander fällt weg, der Small-Talk, das leichte Plaudern ohne großen Tiefgang, die informellen Gespräche über Projekt an der Kaffeemaschine.
Gerade hatte ich ein Gespräch über die Schwierigkeit, eine Idee online vorzustellen bei Menschen, die ich gar nicht kenne. Du musst die Menschen sofort gewinnen ohne Anlauf, ohne Anwärmen, da musss dann jedes Wort sitzen. Anstrengend!
Oder die Situation, wenn Du in einem Meeting ungerecht behandelt oder sogar angegangen wirst: Sind wir nach einer analogen Sitzung genervt oder verletzt, können wir auf dem Weg zurück zum Schreibtisch mit einem Kollegen kurz lästern (was man ja eigentlich nicht macht :-)), die Augen verdrehen – und die Sache ist meist verarbeitet und vorbei.
Nach einer unerfreulichen Telefonkonferenz lege ich auf und bin verletzt, irritiert und allein – ohne die Möglichkeit, dieses Gefühl mit einer Bemerkung, einem Lachen oder einem Augenrollen aufzulösen. Ich bin und bleibe gekränkt, dieses Gefühl rumort in mir. Im Büro würde man nun erst mal einen Kaffee trinken! Aber jetzt rufe ich die Kollegin sicher nicht an, um die Telko nachzubesprechen. So wichtig ist es ja auch wieder nicht!
Ist es aber doch! So ein mieses Gefühl setzt sich im Nacken fest, äußert sich in Rückenproblemen, lässt mich zu Schokolade greifen, drückt sich in Kopfweh aus. Wir häufen diesen Stress an ohne die Möglichkeit, im Team Druck abzulassen.
Uns fehlt der entlastende und vergnügliche Small Talk, das unverbindliche Um-Rat-Fragen, wenn ich nicht weiterkomme, die gegenseitige Beruhigung und auch die Motivation im Team. Auf einmal sind wir alle Einzelkämpfer, plötzlich ist alles so ernst. Gar nicht mein Ding!
Ich selbst war Anfang des Jahres in einem Projekt, das nur Remote ablief. Wir kannten uns überhaupt nicht und waren zusammengeworfen in der Aufbauphase, das Kernteam verteilt in vier Städten, dazu kamen noch Partner in drei afrikanischen Ländern. Klingt spannend und war es auch. Aber es hat mir einfach keine Freude gemacht: In unserem Kernteam herrschte irgendwann ein rauher Ton, der nicht abgestellt wurde. Mir ging es immer schlechter, die Kollegen hatten gar keinen Sinn für ein privates Wort oder Austausch. So etwas tut nicht gut. Welche Erleichterung, aus diesem Projekt wieder aussteigen zu können!
Dass es für Projekte und Unternehmen wichtig ist, eine gute Stimmung herzustellen, ist inzwischen Allgemeingut. Doch wie erzeugen wir in dieser Situation eine gute Stimmung?

Im Frühjahr sind wir alle klaglos in das Home-Office umgezogen. Aber das ist nicht so einfach. Wir müssen dies als eine Herausforderung nehmen und nach Formen des Austausches suchen, eine neue Kommunikationskultur etablieren. Dann geht es uns allen besser.

Lasst uns dafür Ideen sammeln und umsetzen! Mache dieses Anliegen auch zum Thema bei Vorgesetzten und Projektleitern. Suche nach Lösungen und Ideen für Dich persönlich und für Dein Team-Leben im Home-Office.

Hier ein paar Vorschläge.
Vereinbare täglich eine virtuelle Kaffeepause mit einer Kollegin oder Freundin.
Treffe Dich real mit Teammitgliedern.
Nimm wahr, wie die Online-Meetings gut laufen. Rufe nach einer frustrierenden Telko einen Kollegen an und frage ihn nach seinen Eindrücken, Du wirst überrascht sein. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Schlage eine informelle halbe Stunde für Dein Team vor: Essen und Trinken erlaubt. Neulich hat jemand fünf Pralinen für uns alle mitgebracht und sie dann auch alle für uns genascht 🙂
Beklage Dich auch einmal über das Leben im Homeoffice! Es ist ein große Aufgabe, so zu arbeiten.
Sei immer gleich zu Beginn in der Telko und fange mit Small-talk und einem erfreulichen Thema an.

Und natürlich: Achte auf Pausen, mache Schreibtisch-Yoga 🙂 – vielleicht auch eine Idee für Dein Team. Der nächste Kurs startet am 9.11.2020!

Wie überlebst Du im Homeoffice? Schreibe mir Deine Ideen, ich freue mich, von Dir zu hören.

Ich wünsche Dir noch ein Frohes Schaffen!

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